Die Alzheimer-Krankheit und andere dementielle Erkrankungen
Die Alzheimer-Krankheit, benannt nach dem Arzt Alois Alzheimer, der das Krankheitsbild 1907 erstmals beschrieb, gehört zur Gruppe der dementiellen Krankheiten und ist deren häufigste Form. Neben der Alzheimerschen Demenz (ca. 60% aller Demenzerkrankungen) gehören zu den Demenzerkrankungen die in der Folge von vaskulären Ursachen (Durchblutungsstörungen) auftretenden Demenzen (ca. 30%) sowie andere sekundäre Demenzen mit unterschiedlichen Ursachen (ca. 10%).
Dementielle Erkrankungen bzw. Hirnleistungsstörungen gelten als Alterskrankheiten, da die Häufigkeit ihres Auftretens mit dem Lebensalter wächst. Vor dem 60. Lebensjahr treten sie sehr selten auf, bei den 60-70jährigen sind etwas mehr als 1% betroffen, bei den 80-84jährigen etwa 13% und bei den 90-94jährigen ca. 33%. Demenzerkrankungen sind nicht lediglich das Problem einer Minderheit, sie betreffen insgesamt etwa 6% der Bevölkerung über 60 Jahre. Mit der in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten zu erwartenden Zunahme des Bevölkerungsanteils älterer Menschen wird auch die Zahl der Demenzkranken steigen.
Zur Zeit sind in Berlin ca. 42.000 Personen von einer dementiellen Erkrankungen betroffen, in der Bundesrepublik Deutschland insgesamt etwa 1,2 Millionen Personen. Da diese Zahlen bis zum Jahre 2030 noch erheblich steigen werden, sind Gesundheits- und Sozialpolitik dringend gefordert, die Versorgung der Kranken und die Entlastung der Angehörigen sicherzustellen. Weitere Informationen zur Zahl der Demenzerkrankten in Berlin und den einzelnen Bezirken der Stadt sowie deren Entwicklung finden Sie, wenn Sie hier klicken.
Typische Merkmale dementieller Erkrankungen sind fortschreitende Beeinträchtigungen zunächst des Kurz- und später des Langzeitgedächtnisses sowie Probleme bei der räumlichen und zeitlichen Orientierung. Die Erkrankten wissen nicht, wo sie sind, finden sich an einst vertrauten Orten nicht zurecht, können Tageszeit und Datum nicht bestimmen. In späteren Phasen der Erkrankung geht auch die personelle Orientierung verloren - selbst enge Bezugspersonen werden nicht mehr erkannt - sowie das Wissen um die eigene Person und Biographie. Die Kranken leiden unter Denk-, Konzentrations- und Auffassungsstörungen, können Dinge nicht mehr benennen (Aphasie) oder werden unfähig, einfache Handlungen auszuführen (Apraxie). Im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit treten häufig Harn- und Stuhlinkontinenz auf. Die Störungen führen zu immer größeren Schwierigkeiten bei der Gestaltung des Alltags, etwa beim Ankleiden, bei der Körperpflege, beim Essen und bei außerhäuslichen Aktivitäten. Die Kranken sind zunehmend auf fremde Hilfe angewiesen. Oft kommt es zu Veränderungen der Persönlichkeit, zu raschen Stimmungsschwankungen, übersteigertem Mißtrauen, Aggressivität und Depressionen. Depressionen treten häufig auf, solange den Betroffenen ihre Krankheit noch bewußt ist und sie darunter leiden, vieles nicht mehr zu können, was früher selbstverständlich war.
Die Ursachen der Alzheimerschen Krankheit sind bisher nicht geklärt, und so ist auch eine an den Ursachen ansetzende Therapie nicht möglich. Erblich sind dementielle Erkrankungen nur in einer kleinen Minderheit der Fälle. International wird auf diesem Gebiet intensiv geforscht. Besonders Ergebnisse der Molekularbiologie haben in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit in den Medien gefunden. Diese Forschungen haben wichtige Detailergebnisse erbracht, lassen aber nicht erwarten, daß in den nächsten Jahren eine ursächliche Therapie entwickelt wird. Leider werden in den Medien oft falsche Hoffnungen geweckt.
Obgleich die Heilung dementieller Erkrankungen bisher nicht möglich ist, darf dies kein Grund zur Resignation sein. Rehabilitative Maßnahmen sind von größter Bedeutung, um die bei den Erkrankten noch vorhandenen Fähigkeiten zu erhalten und Abbauprozessen entgegenzuwirken. Sehr wichtig ist eine klare Diagnose, die nicht nur Defizite, sondern auch Kompetenzen nachweist. Die vorhandenen Kompetenzen gilt es in einem stabilisierenden sozialen Umfeld zu aktivieren. Auch wenn eine medikamentöse Behandlung dementieller Erkrankungen nur sehr begrenzt möglich ist, sollte ein entsprechender Versuch gemacht werden. Wichtig ist auch die Behandlung sogenannter Sekundärsymptome wie Erregungs- und Unruhezustände, Depressionen und wahnhafter sowie durch Halluzinationen verursachter Verhaltensauffälligkeiten.
Wenn Anhaltspunkte für eine Demenz zu beobachten sind, ist eine sorgfältige Diagnose anzuraten. Dabei ist es wichtig, behandelbare Demenzformen so früh wie möglich zu identifizieren und gezielt zu behandeln, auch wenn diese nur einen Anteil von etwa 5% aller Demenzerkrankungen ausmachen. Den an einer nicht ursächlich behandelbaren Demenz Erkrankten gibt eine frühe Diagnosestellung die Möglichkeit, selbst Vorsorge für ihre Zukunft zu treffen, und ihren Angehörigen, sich auf die Erkrankung einzustellen.
Besonders im Frühstadium der Erkrankung ist schwer zu erkennen, ob es sich bei Gedächtnisproblemen um eine "normale" Alterserscheinung handelt oder um eine Demenz. Mit dieser Unterscheidung beschäftigen sich die "Gedächtnissprechstunden". Eine sorgfältige Diagnose umfaßt internistische, neurologische, psychiatrische und psychologische Untersuchungen, Labortests, eine Computertomographie, ein EKG und ein EEG. Je nach den Ergebnissen dieses Basisprogramms können weitere Untersuchungen erforderlich werden.
Von besonderer Bedeutung ist immer das Gespräch mit den Erkrankten und ihren Angehörigen und die frühzeitige Beratung durch gerontopsychiatrisch erfahrene Sozialarbeiter und Psychologen.